energy healing &
psychologische Beratung
PARTNERSCHAFT
Chronische Erkrankung und Partnerschaft
Eine schwere chronische Erkrankung betrifft nie nur die erkrankte Person selbst – sondern auch die Partnerschaft. Von einem Tag auf den anderen verändert sich etwas, das vorher selbstverständlich war: Wer kümmert sich um was, wer trägt für was die Verantwortung, wie sieht es mit den Finanzen aus, usw.?!
Solange beide Partner gesund sind, pendelt sich die Aufgabenteilung meist von selbst ein. Mal braucht der eine mehr Unterstützung, mal die andere. Bei einer schweren chronischen Erkrankung jedoch, kippt dieses Gleichgewicht dauerhaft. Die erkrankte Person wird zum Empfänger, die gesunde Person der Gebende.
Diese Verschiebung ist ein schwerer Einschnitt und für die Beziehung enorm belastend.
Anfangs funktioniert meistens noch alles gut – man rückt zusammen, gibt sich Mühe und will füreinander da sein. Mit der Zeit zeigt sich jedoch, dass diese einseitige Rollenverteilung beide mehr und mehr erschöpft.
Die erkrankte Person möchte sich nicht nur als Parasit oder Last fühlen, sondern auch etwas beitragen können.
Die gesunde Person wiederum – bricht langsam unter der Belastung zusammen und bräuchte selbst eine Stütze. Doch wer könnte ihre Aufgabe und Rolle übernehmen?
Bei Erkrankungen wie ME/CFS oder Long Covid verliert die erkrankte Person nicht nur ihre Gesundheit, sondern zwangsläufig auch ihren bisherigen Aufgabenbereich – sei es im Beruf, im Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder anderen Bereichen des Alltags. Diese Aufgaben bleiben dennoch bestehen und müssen nun vom Partner gestemmt werden.
Aus einer gleichberechtigten Partnerschaft entsteht so häufig innerhalb kürzester Zeit eine neue “Versorgungsstruktur”, in der eine Person nahezu die gesamte Verantwortung trägt. Die plötzliche Veränderung der Rollenverteilung und die damit verbundenen Belastungen können erhebliche Spannungen hervorrufen.
Man könnte meinen, dass die Schwere einer Krankheit automatisch darüber entscheidet, ob eine Beziehung hält oder zerbricht. Dies lässt sich jedoch nicht bestätigen. Entscheidend ist vielmehr, wie ehrlich die Partner über die Krankheit und ihre gemeinsame Situation sprechen. Paare, die offen äußern, was sie belastet, was ihnen fehlt und was sie brauchen, kommen deutlich besser zurecht als Paare, die ihre Belastungen still ertragen oder Rücksicht mit Verschwiegenheit verwechseln.
Manche Paare berichten sogar, dass sie durch die Erkrankung gezwungen wurden und gelernt haben besser miteinander zu kommunizieren, da es die einzige Möglichkeit war, den Alltag zu bewältigen.
Ein weiterer Faktor ist – ob die Belastungen beiderseits gewürdigt werden, denn in vielen Beziehungen wird nur die kranke Person als “die Leidende” wahrgenommen. Die gesunde Person hingegen – hat zu funktionieren, zu verstehen und zu tragen. Die Frage, wie es ihr mit der Situation geht, kommt kaum vor. Diese einseitige Aufmerksamkeit kann auf Dauer stillen Groll und Wut erzeugen – selbst bei Menschen, die aus Liebe dienen.
Die Trennungsstatistik zeigt ein klares Muster: Das Risiko einer Trennung ist deutlich höher, wenn die Frau die erkrankte Person ist, als umgekehrt.
In heterosexuellen Beziehungen übernehmen Frauen häufiger die pflegende Rolle, wenn der Mann erkrankt.
Männer hingegen verlassen die Beziehung häufiger, wenn die Frau erkrankt, da sie sich von der Pflegeaufgabe überfordert fühlen.
Dies ist kein Naturgesetz oder gar eine Entschuldigung – es ist ein gesellschaftliches Muster, das mit Rollenerwartungen zu tun hat und nicht mit der Krankheit an sich.
Ein weiterer Aspekt über den viel geschwiegen wird – eine chronische Krankheit wirkt sich fast immer auf Intimität und Sexualität aus. Nicht nur körperlich – Dank Schmerzen, Erschöpfung, Medikamente u.ä., sondern auch emotional – da sich Bedürfnisse verschieben, Scham hinzukommt und Berührungen mit Pflege statt mit Begehren verbunden werden. Wer dieses Thema offen anspricht, statt es zu verdrängen, hat bessere Chancen neue Formen von gemeinsamer Nähe zu finden, als diejenigen, die das Thema verbannen oder tabuisieren.
So schwer all das klingen mag: Es gibt genügend Paare, die sich durch eine chronische Erkrankung nicht verlieren, sondern noch enger zusammenrücken. Menschen berichten immer wieder, dass sich nach der ersten schweren Phase eine andere, aber durchaus tragfähige “Normalität” einstellt. Was sich verändert, sind die Prioritäten: Kleinigkeiten verlieren an Gewicht, Authentizität und echte Verbindung nehmen zu.
Wer sich in einer solchen Situation befindet – sei es als erkrankte oder als begleitende Person – profitiert nur selten von gut gemeinten Ratschlägen wie „Bleibt positiv“ oder „Liebe überwindet alles“. Weitaus hilfreicher ist die nüchterne Anerkennung, dass beide Seiten Verluste bewältigen müssen, Unterstützung brauchen und dass Kommunikation zu den wenigen Aspekten gehört, die sich aktiv gestalten lassen – auch wenn die Krankheit selbst nicht verhandelbar ist.
Eine schwere chronische Krankheit bringt viele Verluste mit sich. Sie muss aber nicht zwangsläufig die Verbindung zweier Menschen zerstören.
Was bleibt – ist die Möglichkeit, sich jeden Tag neu füreinander zu entscheiden.
Arie Bal
Psychologischer Berater & Coach, Energy Healing
Arie Bal begleitet seit vielen Jahren Menschen in belastenden Lebenssituationen. Als langjähriger Angehöriger eines Menschen mit schwerer chronischer Erkrankung kennt er die Herausforderungen aus der Angehörigenperspektive. Er ist ausgebildeter psychologischer Berater und Coach.
MEDIZINISCHER HINWEIS
Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.Die Inhalte basieren auf wissenschaftlichen Quellen und der langjährigen Erfahrung als psychologischer Berater, Coach und Energy Healing Practitioner sowie Angehöriger. Bei akuten Beschwerden wende dich an deinen Arzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117).
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